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Business-Knigge, nicht nur für Azubis

Heutzutage trifft man im Geschäfts- oder Privatleben eher selten eine Gräfin oder einen Grafen. Doch wenn es vorkommt, dann besteht Gefahr, bereits bei der Begrüßung in das berühmte Fettnäpfchen zu treten. Für Adolf Freiherr zu Knigge war es sicherlich eine leichte Übung, die „richtige Anrede“ parat zu haben, um die Gräfin korrekt zu begrüßen. Doch wer ist mit diesen Regeln noch heute vertraut? Viele Knigge-Regeln sind veraltet. In der Gesellschaft sind positive Verhaltensformen dennoch gern gesehen.

Dessen ist sich Axel-Christof Schmid-Lorch, der Geschäftsführer der Ernst Lorch KG in Albstadt, bewusst und hat deshalb den Entschluss gefasst, seine Auszubildenden auch für Benimmregeln zu begeistern, um im modernen Business einen guten Eindruck zu machen. Natürlich mit Unterstützung der Trainerkooperation Neckar-Alb, den verRückten Impulsen. Denn bei der Fülle der Empfehlungen und Regeln sind Expertenwissen und Praxistransfer gefragt. Los geht es bereits mit der Wahl der Kleidung bei bestimmten Anlässen. Wer in den Genuss eines 5-Gänge-Menüs kommen darf, sollte entsprechend gekleidet sein. Aber wie?

Das Wissen der Teilnehmer, die sich im zweiten und dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung befinden, ist gefragt. Sieben Fehler an der Kleidung der Trainer gilt es zu finden. Die Krawattenlänge, die Anzahl der Armbänder, abgelaufene Schuhsohlen und offene Haare sind nur wenige Punkte, die laut Knigge-Regel zu beachten bzw. zu vermeiden sind. Die Beteiligung der Auszubildenden ist groß. Schließlich macht es mehr Spaß, den Trainer zu korrigieren als umgekehrt. „Weiße Socken in schwarzen Schuhen gehen ja mal gar nicht“, meint Teilnehmer Olivero.

Was ebenfalls gar nicht geht, ist, wenn man dem Chef mit einem Handschlag zuvorkommt. Denn im Betrieb läuft die Begrüßung immer nach Hierarchie. Und in welcher Reihenfolge erfolgt die Begrüßung zwischen Mann und Frau? Schließlich gehören die Auszubildenden einer Generation an, in der die Gleichstellung der Geschlechter immer mehr an Bedeutung gewinnt. Folgt man dennoch der Benimmregel, so grüßt die Dame zuerst.

Nicht nur die Regeln der Begrüßung sind relevant, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Das Siezen und Duzen sorgt in manchen Situationen ebenfalls für Verwirrung. Auch wenn im Business-Knigge-Training das Duzen ganz klar bevorzugt wird, ist es im Geschäftsleben nicht immer so. Mit einem Rollenspiel haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich in die Rolle des Doktors oder der Gräfin einzufühlen und sich so auf die richtige Anrede vorzubereiten. Schließlich hat Adolph Freiherr von Knigge schon immer gesagt: „Lerne den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in der du dich befindest.“

Nicht nur der Ton zeugt von gutem Benehmen, auch der richtige Umgang mit Messer und Gabel ist ein wichtiger Bestandteil der Knigge-Empfehlungen. Vom Fischmesser bis hin zur Suppentasse hat nämlich alles seine Ordnung.

Die Auszubildenden tauschen verwirrte Blicke aus, als es darum geht, für Geschirr, Besteck und Gläser den richtigen Platz zu finden. Der Einzige, der sich als erfahren beweisen kann, ist Burak. Durch seinen Nebenjob als Kellner kann er seinen Kollegen genau zeigen, wo der Brotteller zu stehen hat – nämlich links oben.

Nach neun anstrengenden, aber lehrreichen Stunden kommt es zum Höhepunkt des Seminars: einem Abendessen im Gourmet-Restaurant. Jetzt können die Auszubildenden ihre Knigge-Kenntnisse an Garnele und Hühnchen beweisen. Mit den Händen essen ist an diesem Abend übrigens verboten.

Am Schmunzeln des Chefs Axel-Christof Schmid-Lorch, der ebenfalls mit am Tisch sitzt, ist zu erkennen, dass ihnen das geglückt ist. „Das Seminar hat nicht nur unser Wissen erweitert, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl zwischen uns Azubis gestärkt“, meint Seminarteilnehmer Julian begeistert.

Freiherr von Knigge wäre mit Sicherheit stolz auf die Auszubildenden der Ernst Lorch KG. Und die verRückten Impulse sind es auch.

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